Berichte

Bericht von der Podiumsdiskussion am 30. Oktober 2016

Massengrab Mittelmeer vor der Festung Europa…

oder gibt es eine menschenwürdige Lösung der sogenannten Flüchtlingskrise?

Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich Politik, Kommunen und Bürger gleichermaßen stellen müssen. Dies ist das Fazit einer zweistündigen Podiumsdiskussion, zu der am Sonntag sechs Leipziger Vereine ins Ariowitsch-Haus eingeladen hatten.

Podiumsdiskussion im Ariowitschhaus

Seit dem Jahr 2000 sind im Mittelmeer mehr als 30.000 Menschen ertrunken – auf der Flucht aus ihrer Heimat, auf der Suche nach einem sicheren Leben. Nachdem der Weg über die Balkanroute im Sommer 2015 zeitweilig offenstand, wird nun erneut zwischen Afrika und Griechenland bzw. Italien massenhaft im Mittelmeer ertrunken.
Wie kann diese Tragödie verhindert werden? Welche Grund- und Menschenrechte stehen jedem einzelnen Flüchtling zu? Wie viele Menschen sind wir aus rechtlichen oder ethischen Gründen aufzunehmen verpflichtet?
Um diese Fragen zu diskutieren, hatten am Sonntag sechs Leipziger Vereine zu einer Podiumsdiskussion ins Ariowitsch-Haus eingeladen. Vor etwa 60 interessierten Zuhörern sprachen der Berliner Jurist Percy MacLean, die ehemalige grüne Abgeordnete des Europaparlaments und des sächsischen Landtags, Gisela Kallenbach, sowie Nikolaos Psarros, Professor am Philosophischen Institut Leipzig, über Ursachen der Fremdenfeindlichkeit und den Umgang mit Ausländerhass.
MacLean betonte in seinem Eingangsreferat, dass die Aufnahme von Flüchtlingen völkerrechtlich sowie vom Grundgesetz her geboten ist. Die Forderung nach einer Obergrenze, wie sie etwa aus Bayern erhoben wird, lehnte der Jurist als verfassungswidrig ab. Kallenbach forderte mehrfach, die „noch immer viel zu große schweigende Mehrheit“ zu mobilisieren. Hier sieht sie auch in Leipzig in der Auseinandersetzung mit Legida noch erheblichen Nachholebedarf. In diesem Zusammenhang räumte die Grünen-Politikerin ein, dass eine Diskussion mit Legida-Vertretern an enge Grenzen stößt. „Ohne Bereitschaft, die Argumente der anderen Seite zu hören, hat eine Debatte keinen Sinn.“ Psarros schließlich machte auf die fehlende Empathie in Teilen der Gesellschaft aufmerksam. Aus seiner Sicht setze die Bereitschaft zur Integration von Flüchtlingen deren Anerkennung als hilfebedürftige Opfer voraus.

Podiumsdiskussion im Ariowitschhaus

Podiumsdiskussion mit:
Percy MacLean, Jurist
Gisela Kallenbach, ehem. MEP/MdL
Prof. Dr. Nikolaos Psarros, Philosophisches Institut der Universität Leipzig
Moderator: Kostas Kipuros, Journalist