Jahresbericht 2018

2018 ist zum Schicksalsjahr des Vereins geworden. Der Tod unseres stellvertretenden Vorsitzenden und überzeugten Europäers Burkhart Sellin am 12. Oktober stellt unseren kleinen Verein vor die Existenzfrage. Dabei ging der neue Vorstand nach seinem Amtsantritt mit Elan an die Sache. Mit Blick auf seine beschränkten Kapazitäten, hatte er sich sehr bewusst dafür entschieden, nur wenige kulturelle Projekte mit europäischen Dimensionen anzupacken. Denn nur dann konnte er sich halbwegs sicher sein, auch etwas zu bewirken. So starteten wir im ersten Quartal mit viel Optimismus. Ein Thema, dem wir uns verstärkt widmen wollten, war der gemeinsame Besuch kultureller Veranstaltungen zusammen anderen Interessierten. Zunächst organisierte Stella Chatziioannou zwei gut besuchte Besuchsveranstaltungen, den Video-Event „Von Monet bis Kandinsky“, der Werke bekannter europäischer Maler des 19. und 20. Jahrhunderts zeigte, und das Filmmuseum am Potsdamer Platz. Zudem zeigte der Vorstand Präsenz in der Berliner Kulturszene. Seine Mitglieder besuchten zahlreiche Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Foren wie den Berliner Auftakt des Europäischen Kulturerbejahres 2018 im Februar oder die Reihe „Ideenwerkstatt Museum“ im Museum Europäischer Kulturen (MEK). Einer breiteren Öffentlichkeit meldeten wir uns mit Leserbriefen im Tagesspiegel zu
Wort.

Vor allem aber intensivierten wir erneut unsere Bemühungen um den Ausbau des Dahlemer Museumskomplexes mit dem Residuum MEK zu einem europäischen Kulturzentrum, nachdem durch den Umzug des Museums für asiatische Kunst und des Ethnologischen Museums ins neue Schlossmuseum dort erheblich Raum frei geworden ist. Europa ist in den vergangenen Jahrzehnten vor allem wirtschaftlich zusammengewachsen. Die Europa-Politik setzt seit Montan-Union und EWG auf wirtschaftliches Wachstum. Das kulturelle Zusammenwachsen Europas hat demgegenüber in der Europäischen Union (EU) einen geringen Stellenwert. Ihr Kulturetat ist vernachlässigbar gering. In der EU-Haushaltsdarstellung auf der Webseite des Bundesministeriums für Finanzen taucht der Begriff Kultur nicht einmal auf. Nicht nur die EU, auch die deutsche Politik sieht hier offensichtlich keine Aufgabe. Sie geht augenscheinlich davon aus, dass Tourismus, enge wirtschaftliche Verflechtung, die punktuelle Förderung europäischer Bürgerinitiativen und die Eigeninteressen der Bürger ausreichend seien, die menschlichen Bande zwischen den Völkern Europas so nachhaltig zu stärken, dass daraus eine verbindliche Gemeinschaft entsteht. Doch über 30 Länder mit nahezu ebenso vielen eigenen Sprachen, sehr viel mehr Traditionen und zahllosen eigenen nationalen Interessen finden ohne Not
und ohne kriegerische Unterwerfung nicht so einfach zueinander, insbesondere nicht mit einem politischen Einstimmigkeitsprinzip. Hier Konzepte und Leuchtturmprojekte zu entwickeln, ist angesichts der politisch kritischen Lage, in der sich die EU derzeit befindet, für alle überzeugten Europäer ein Muss. Findet Europa im nächsten Jahrzehnt aber nicht zueinander, droht es, im wachsenden Wettstreit der wirtschaftlichen und politischen Macht auf diesem Globus zerrieben zu werden. Damit aber wäre zwangsläufig auch ein kultureller Niedergang verbunden.

Ein europäisches Kulturzentrums in Berlin wäre ein Signal für Europa nicht zuletzt in der Hoffnung, dass die übrigen EU-Länder einem solchen Beispiel nachfolgten. Dies könnte zumindest als ein Indiz gewertet werden, dass über das Wissen und Verständnis der gemeinsamen Geschichte und Kultur
verstärkt ein europäisches Selbstbewusstsein geschaffen werden kann. Unser Vorschlag war daher, das von zuvor drei Museen in Dahlem verbliebene MEK zunächst um kulturelle Einrichtungen mit europäischer Ausrichtung zu erweitern in Erwartung, dass sie im Laufe der Zeit deutschland- und
europaweit richtungsweisend wird. Wir sind überzeugt, dass diese Erweiterung neben einem Restaurationsbetrieb raumtechnisch realistisch ist. Konkret schlugen wir der Stiftung Preußischen Kulturbesitz (SPK) vor, eine kulturelle Wechselausstellung der EU-Länder auszurichten, die die
Präsidentschaft für jeweils ein halbes Jahr innehaben. Von einer solchen Ausstellung versprechen wir uns, dass das Thema Europa in der Öffentlichkeit sehr viel breitere Kreise zieht als bisher und der Bürgern die EU näher bringt. Zudem empfahlen wir, Ateliers für Künstlern aus ganz Europa anzubieten und hier zugleich einen Rahmen für die öffentliche Präsentation ihrer Werke zu schaffen. Die Dahlemer Museen und damit auch der Bezirk Zahlendorf würden dadurch an Attraktivität erheblich gewinnen. Gleichzeitig würde dem auf Dauer problematischen kulturellen Zentralismus in Berlin Einhalt geboten. Wir erarbeiteten dazu ein Papier, das in der dritten Version vorliegt.

Große Unterstützung bei der Bevölkerung hatten wir hatten wir bereits 2016 mit unserem „Dahlemer Appell“. Der öffentliche Protest, dem sich diverse Institutionen, engagierte Zehlendorfer Bürger, aber auch die Medien anschlossen, half nichts. Denn die SPK will erkennbar kein europäisches Zentrum.
Die langfristige Politik der SPK sieht vielmehr vor, die Dahlemer Museen weitgehend als Restaurationswerkstatt und Büros („Wissenschaftscampus“) zu nutzen. Ob das MEK dauerhaft in dieses Konzept passt oder künftig auch ausziehen muss, bleibt abzuwarten. Gespräche und Briefwechsel mit der Leitung von MEK und SPK blieben erfolglos. Mentale Unterstützung für unser Konzept erhielten wir auf Anfrage zwar vom Auswärtigen Amt, allerdings hilft das nicht weiter. Auf der Suche nach einem anderen Ort zumindest für eine EU-Wechselausstellung stießen wir auf die Spandauer Zitadelle, erhielten vom dortigen Bezirksstadtrat für Weiterbildung und Kultur zunächst eine Absage. Die Zitadelle sei ausgebucht. Nötig sind daher weitere Gespräche mit der Bezirksvertretung und den Parteien.

Daneben stellten wir erste Überlegungen an für ein europäisches Jugendtheaterprojekt auf Basis eines Videowettbewerbs. Diese Idee würde keinen hohen zentralen Aufwand erfordern und böte einen hohen Identifikationscharakter für jungen Menschen in ganz Europa. Allerdings wurden wir aus zeitlichen und Kapazitätsgründen hier noch nicht tätig. Der Grund dafür ist, dass nahezu der gesamte Vorstand sich große Teile des Jahres in Griechenland aufhielt. Hinzu kamen dort wie hierzulande ein größeres privates Engagement seiner Mitglieder in anderen Bereichen. Das schränkte seine Arbeit für WiE erheblich ein. Im Herbst lag sie weitgehend auf Eis. Der Tod Burkhart Sellins stellt die Arbeitsfähigkeit des Vorstands nun endgültig zur Disposition, da es keine Alternative mehr gibt. Dazu ist der Verein zu klein und regional verstreut.

Für den Vorstand
Arnulf Sauter, Vorsitzender