Jahresbericht 2017

Das Jahr 2017 war für unseren Verein ein Jahr des Neubeginns. Bis in den Herbst hinein waren seine aktiven Mitglieder längere Phasen in Griechenland mit der Folge, dass wir keine Veranstaltungen in Berlin durchführen können. Zum Ende des Sommers kehrte dann der Initiator und rührige Vorsitzende Guy Feaux de la Croix dem Verein den Rücken, als er nach aus einer ganzen Reihe persönlicher Gründe nach Nordrhein-Westfalen umzog. Dies war ein herber Verlust für uns. Denn mit seinem umtriebigen, unternehmerischen Geist, seinen Erfahrungen als Diplomat und seinen vielen Kontakten war er bis dato auch Motor. Sein Verlust und der Rückzug unseres ebenfalls sehr verdienstvollen Mitglieds Percey MacLean aus dem Vorstand zwang uns zu einer gründlichen Umbildung des Vorstands. Im neuen Vorstand verblieb Burkhart Sellins als stellvertretender Vorsitzender, zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde Arnulf Sauter, zur Kassenwartin Stella Chatziioannou und zur Beisitzerin Christiane Pecek. Der neue Vorstand bedankt sich bei allen Mitglieder für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen.

Dahlemer Museen

Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten im Herbst und Winter stand die Auseinandersetzung um die Zukunft der Dahlemer Museen. Nachdem der seit langem verfolgten Plan, das entnologische Museum und das Museum für asiatische Kunst ins Humboldt-Forum zu verlegen, durch ihre Schließung konkret geworden ist, ist die Frage, wie der daraus entstandene Bedeutungsverlust des Dahlemer Museumsstandorts wettgemacht werden kann. Im Kern geht es hier um letztlich darum, die Bezirke zugunsten der touristischen Stadtmitte kulturell nicht zu entleeren und für das verbliebene Museum Europäischer Kulturen (MEK) ein zukunftssicheres, attraktives Konzept als europäische Kulturinstitution zu schaffen. Darüber streiten wir mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und haben deshalb den Dahlemer Appell initiiert. Denn die SPK will Dahlem weitgehend als verwaltungstechnischer Einheit umgestalten.
Seit Anfang 2016 haben wir mit sachverständigen und interessierten Bürgern sowie einer Reihe von Mandatsträgern des Bezirksamts, des Abgeordnetenhauses und des Bundestags Vorstellungen zur Zwischen- und Nachnutzung der Dahlemer Museen entwickelt, die in vier Punkten zusammengefasst werden können.

1. Große Vorbehalte wurden von Beginn an und allseitig vorgebracht gegen eine erwogene und vorwiegende Nutzung der bisherigen Museen als Archiv und Depot von Gegenständen, die nicht einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Auch das Vorhaben der SPK, bestehende Abgusssammlungen für wissenschaftliche Zwecke nutzbar zu machen, war nicht als befriedigend angesehen worden. Bedenken wurden ebenfalls vorgebracht gegen einen drohenden mittelfristigen Umzug auch des MEK nach Berlin-Mitte, von dem die SPK inzwischen jedoch Abstand genommen hat. Langfristig stellt sie seinen Standort Dahlem aber weiterhin infrage.

2. Der Vorschlag von SPK-Präsident Prof. Dr. Hermann Parzinger, die Gebäude als Forschungscampus und ausschließlich zur wissenschaftlichen Nutzung zu gebrauchen, wird zwar nicht abgelehnt, aber auch nicht als ausreichend angesehen. Immerhin erklärte er sich bereit, sich mit Bürgerinnen und Bürger über die weitere Nutzung der Gebäude auszutauschen und zusätzliche Vorstellungen wie der Gründung eines europäischen Kulturforums zu prüfen.

3. Einvernehmen besteht nunmehr allseits darin, das MEK und mit ihm die Bücherei in Dahlem zu behalten. Dies dürfte letztlich ein Erfolg der Bemühungen von WiE e.V. sein. Das Museum sollte unserer Ansicht nach Anker und Teil eines in Dahlem zu schaffenden Europäischen Kunst- und Kulturforums werden. Auch die Außenbezirke Berlins haben ein Anrecht auf attraktive, öffentlich zugängliche Kulturangebote. Steglitz-Zehlendorf stellt mit seinen 300 000 Einwohnern immerhin eine mittelgroße Großstadt im Südwesten Berlins dar, die kulturelle Attraktionen verdient. Wir sind uns darin mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf einig, nicht alles in Berlin-Mitte zu konzentrieren. Zumal Dahlem auch verkehrsmäßig gut angebunden und erreichbar ist. Dahlems Ruf als attraktiver Museumsstandort sollte erhalten bleiben.

4. Die freie Künstlerszene im Süden Berlins ist auf der Suche nach Ateliers und Räumen zur Herstellung und Ausstellung ihrer Produkte. Ein solches Angebot könnte eine gute Ergänzung musealer Angebote darstellen und den Kunstaspekt unterstreichen.

Die Bürger-Initiative „Dahlemer Museen“ will gemeinsam mit WiE e.V. an dem Standort weiterhin eine öffentlichkeitswirksame Nutzung mit Ausstrahlung auf ganz Berlin und darüber hinaus sichergestellt wissen. Die Museumsgebäude sollen künftig nicht nur Wissenschaftlern und Restauratoren vorbehalten bleiben, sondern sie sollen im Schatten des MEK neue Anziehungskraft auf Touristen aus aller Welt ebenso wie auf Berlinerinnen und Berliner entwickeln. Konkret bedeutet dies vor allem, dass die frei gewordenen Flächen nicht allein Restaurierungs- und wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung gestellt werden dürfen, sondern ein Teil für die Aus- und Umgestaltung des MEK zur Verfügung gestellt werden muss. Wir werden alles tun, damit Dahlem nicht zu einer Art Resterampe verkommt.
Ein erweitertes Konzept das MEK könnte den Nukleus für eine Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt in den nächsten Jahren bilden. Auf diese Weise böte sich SPK und dem Berliner Senat die Möglichkeit, zusätzliche EU-Mittel einzuwerben, die sie finanziell erheblich entlasten könnten.
Der Runde Tisch der Bürger-Initiative zog Anfang Dezember eine kritische Zwischenbilanz über gut ein Jahr Arbeit, die am 6. September 2016 mit dem Dahlemer Appell begann. Eine Woche später legte WiE-Vorsitzender Arnulf Sauter als Grundlage für die weiteren Aktivitäten der Initiative ein Papier vor, an dem wir weiter kreativ arbeiten wollen.

Schulgarten

Unser Verein hat 2017 ein deutsch-griechisches Projekt des Oldenburger Architekten Prof. Holm Kleinmann unterstützt, das zum Ziel hat, das Umweltbewusstsein griechischer Kinder zu fördern und ihnen die Natur näherzubringen. Grundlage dieses Projekts bildete ein studentischer Wettbewerb, den Prof. Kleinmann aus Oldenburg zur Anlegung und Gestaltung eines Schulgartens für eine griechische Grundschule in Thessaloniki ausgelobt hatte. Nach Abschluss des Wettbewerbs im Frühjahr nahmen Ende August Studenten aus Oldenburg, Osnabrück und Griechenland an einem Workshop teil, in dessen Rahmen der siegreiche Schulgartenentwurf weitgehend verwirklicht wurde. Prof. Kleinmann griff für dieses Projekt auf seine Lehrerfahrungen in den vergangenen Jahren an der Hochschule von Thessaloniki zurück. Schon früh interessierten sich auch andere Schulen für den Garten. Eine benachbarte Grundschule griff das Modell rasch auf und plante ebenfalls, einen Garten anzulegen. Veröffentlichungen in griechischen Medien machten das Projekt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Unterstützt wird die Schulgartenidee auch von der Schulverwaltung in Thessaloniki. Damit ist zu rechnen, dass weitere Schulgärten angelegt werden.
Griechische Kinder werden auf diese Weise früh in Schulen und Vorschulen ganz selbstverständlich mit Umweltfragen konfrontiert, die in Griechenland noch keine nennenswerte Rolle in der öffentlichen Diskussion spielen. Er spendet den Kinder zudem Schatten im Sommer. Das Projekt war zwar von bescheidenem Ausmaß, schlug aber symbolhaft die Brücke zwischen Umweltanliegen, pädagogischen Zielen, Bildungspolitik, internationaler Kooperation und studentischem Austausch. Mit unserer Hilfe förderte die Böll-Stiftung das Schulgartenprojekt mit 3000 Euro. Die Stiftung unterhält in Thessaloniki ein Büro.

Kulturprojekt Edge.Piraeus

Das Kulturprojekt Edge.Piraeus, über das wir bereits im Jahresbericht 2016 unterrichtet hatten, war das letzte Projekt, das unser vormaliger Vorsitzender de la Croix initiiert und mit durchgeführt hat. Es dokumentiert ebenfalls das besondere Engagement des Vereins für die deutsch-griechischen Beziehungen. Zusammen mit der Kunsthochschule Berlin-Weissensee führte er nach Vorarbeiten im Jahr 2016 anlässlich der Documenta Athen-Kassel 2017 dazu ein Kunstprojekt durch, an dem 40 Berliner und Athener Kunststudenten teilnahmen. In ihren Kunstwerken setzten sie sich dabei mit dem griechischen Kulturerbe, der sozio-ökonomischen Krise des Landes und der Situation der Flüchtlinge auseinander. Präsentiert wurden sie dann drei Wochen lang im Kastela Art Center in Piräus. Ergänzt wurde die Asstellung durch Symposien. Nähere Informaionen dz bietet Website www..edgepiraeus.com.

Initiative Kunst- und Kulturverein

In Griechenland lässt wie in allen südeuropäischen Ländern das bürgerschaftliche Engagement zu wünschen übrig. Das politische wie kulturelle Leben in Stadt und Land wird durch die politischen Parteien und ihre Einrichtungen geprägt, so dass es dort von Sportvereinen abgesehen kaum private Initiativen (Vereine, Bürgerinitiativen, Elternkindergärten etc.) gibt. Die beiden Vorstandsmitglieder von WiE, Arnulf Sauter und Stella Chatziioannou, starteten 2017 den Versuch, einen Kunst- und Kulturverein in Nikiti auf Sithonia (Chalkidiki) zusammen mit Deutschen und Griechen zu gründen. Sie hatten zwar übers 20 Gründungsmitglieder um sich geschart und eine Satzung vorbereitet, bevor jedoch die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte, entflammte eine hitzige Diskussion über die Möglichkeiten, die der Verein seinen Mitgliedern bieten kann. Es bildeten sich am Ende ein Pro- und ein Kontra-Lager, so dass das Projekt fallengelassen werden musste. Unabhänig davon werden wir dort weiter künstlerische Projekte entwickeln und durchführen.

Deutsch-griechische Schulkontakte

2016 versuchten wir, Musikschulen aus Deutschland und Griechenland zusammenführen. Im Fall des Gymnasiums Steglitz und des Musikgymnasiums Thessaloniki gelang dies zwar, jedoch hatten damals die Steglitzer einen anderen Schulpartner. 2017 konnten wir erneut den Kontakt schließen, weil die Berliner Schule eine neue Partnerschaft suchte. Die Schulleitung in Thessaloniki hatte zwischendurch gewechselt.

Naomi Flüchtlingsarbeit

Seit längerem engagieren sich Mieke und Burkhart Sellin für Flüchtlinge und Asylsuchende an ihrem zweiten Wohnsitz in Thessaloniki. Dort bauten sie zusammen mit anderen Deutschen und Griechen eine Nähwerkstatt auf, in der Flüchtlinge Produkte wie Schultertaschen und Schürzen herstellen, die später zum Verkauf angeboten werden. Verkauft werden konnten die Textilien unter anderem auch auf dem Basar des Auswärtigen Amts. Daneben erhalten sie dort durch zahlreiche ehrenamtliche Helfer und -innen zusätzliche Hilfe einschließlich Sprachkurse. Seit 2016 gibt es auch in Berlin-Steglitz eine Nähwerkstatt, in der Flüchtlinge sich betätigen können, um das Schneidern zu erlernen.

Berlin, den 3. März 2018
Arnulf Sauter