Contra Brexit

Contra BREXIT, dem Austritt des Vereinigten Königreichs (VK) aus der EU, welcher mit dem angesetzten Referendum am 23.6. d.J. droht.

Wie bei unserer Sitzung am 25.2. beschlossen, habe ich das Mandat akzeptiert ein Papier Contra Brexit zu erstellen. Dies vor dem Hintergrund, dass das von Guy erstellte Papier sich einseitig für den BREXIT ausspricht und folglich nur entsprechende Argumente darstellt.
Viele der Argumente von Guy sind währenddessen eigentlich an den grossen Bruder – nicht nur von VK –  gerichtet.
Die Vereinigten Staaten selbst dürften ebenfalls gegen einen Austritt des VK aus der EU sein, würden sie doch ihren „Pudel“ verlieren, der ihre Interessen in der EU ein Stück weit mit vertritt.

Ich versuche hiermit die meines Erachtens wichtigsten Gegenargumente darzustellen.

Der drohende Austritt des VK wäre eine Zerreißprobe für beide Seiten, für die Europäische Union und für das Vereinigte Königreich: 

  1. Es sind nicht nur die wirtschaftlichen Argumente, die gegen einen Austritt von beiden Seiten – EU und VK – meist angeführt werden; dies obwohl das VK die EU von Beginn ihres Beitritts Mitte der 70er Jahre an dieselbe auf diese Aspekte weitgehend reduziert.
  2. Gegen einen Brexit spricht ebenfalls, dass dieser auch weitere Staaten provoziert, ihre Mitgliedschaft zu überdenken wie etwa einige mittel-osteuropäische oder nordeuropäische Staaten sowie die in den letzten Jahren erstarkenden europaskeptischen und populistischen Bewegungen bzw. Parteien weiter gestärkt werden dürften.
  3. Durch den kürzlich gefundenen Kompromiss und vereinbarten „deal“ hat zwar die EU den Briten gegenüber wiederum einige Zugeständnisse gemacht wie z.B. die Kürzung von Sozialleistungen für EU-Zuwanderer, das Kindergeld für Zuwandererfamilien, die in ihren Herkunftsländer verbleiben und bzgl. des Verhältnisses zwischen den Euro-Ländern und den Nicht-Euroländern. Darüber hinaus sollen „unnötige“ Gesetzgebungen und Regelungen auf EU-Ebene zurückgenommen werden. Dieser deal sei ein fairer Kompromiss so der EU-Parlamentspräsident Schulz.
  4. Contra den Brexit spricht aber eigentlich etwas anders und wichtigeres: Die englische Sprache, Literatur, Kunst und Musik dominiert in der EU seit dem Beitritt des VK Mitte der 70er und hat –zwar auch zum Bedauern vieler – das bis dato dominierende Französische weitgehend verdrängt und abgelöst.
  5. Die EU verlöre dadurch aber insbesondere an Einfluss in der Welt sowohl politisch als auch wirtschaftlich, denn das Englische als vorherrschende Welt-/Verkehrssprache hätte dann für die Europäische Gemeinschaft nicht mehr denselben Stellenwert. Der Zusammenhalt geriete in Gefahr und anglophone Mitgliedsstaaten wie die Niederlande oder die skandinavischen Länder würden ein Stück ihrer Orientierung innerhalb der EU verlieren.
  6. Natürlich wäre der Brexit auch für das VK eine Zerreißprobe dadurch, dass Schottland, Nordirland und Wales  ggf. ihren Austritt aus dem VK erwägen könnten und ihre weitere Zugehörigkeit zur EU anstreben werden.

Burkhart Sellin
Berlin, am 27. Februar 2016